Es war kein inszenierter Moment. Kein Kampagnenfoto für eine Beauty-Marke, kein kalkulierter PR-Move. Franca Lehfeldt saß auf ihrem Pferd Fritzi, Reitkappe auf dem Kopf, Haare zurückgebunden, ganz ohne die schwarz umrandeten Augen, die ihr TV-Markenzeichen sind — und postete das Bild einfach. Dass Franca Lehfeldt ungeschminkt daraufhin zu einem der meistgesuchten Begriffe rund um ihre Person wurde, sagt weniger über sie aus als über die Gesellschaft, die ein solches Foto für eine Nachricht hält.
Das Foto, das alles auslöste
Es war der Sommer 2023, als das Bild auf Instagram erschien. Lehfeldt, damals noch Chefreporterin bei WELT TV, hatte sich nach einer Zwangspause — ein gebrochenes Steißbein zu Ostern hatte sie aus dem Sattel gezwungen — zurück in den Reitsport gekämpft. Das Foto zeigt eine Frau, die gerade wieder gelernt hat, Muskeln zu benutzen, die wochenlang stilllagen. Keine Hochglanzproduktion, kein Redaktionsteam dahinter.
Ehemann Christian Lindner hinterließ einen Herz-Emoji in den Kommentaren. Die Medien schrieben Artikel. Und ein Teil des Internets schrieb über ihre Augenringe.
Lehfeldts Reaktion auf letzteren Punkt ist das eigentlich Bemerkenswerte: Sie schrieb öffentlich, dass sie solche Kommentare als Kompliment versteht — als Beweis für ein „filler- und filterfreies” Leben. Das ist kein defensives Statement. Das ist eine Positionierung.
Ungeschminkt als Haltung, nicht als Hashtag
Wer Franca Lehfeldts Vita kennt, versteht, warum das keine Kleinigkeit ist. Geboren 1989 in Hamburg, studierte sie in der Schweiz Hotelmanagement und Betriebswirtschaft am Glion Institute, absolvierte anschließend die RTL-Journalistenschule und arbeitete sich durch verschiedene Positionen beim RTL-Konzern hoch — bevor sie 2022 als Politik-Chefreporterin zu WELT TV wechselte. Eine Karriere, die mehr als ein Jahrzehnt harter Arbeit repräsentiert.
Dann heiratete sie im Juli 2022 auf Sylt den damaligen Bundesfinanzminister Christian Lindner. Und auf einmal war ein beträchtlicher Teil der öffentlichen Debatte über Franca Lehfeldt nicht mehr die Frage, was sie beruflich tut — sondern welches Kleid sie zur Hochzeit trug.
In einem Interview mit der Zeit sprach Lehfeldt dieses Thema offen an. Auf die Frage, ob es sie störe, in der öffentlichen Wahrnehmung häufiger als Ehefrau denn als Journalistin behandelt zu werden, antwortete sie: „Es ist part of the deal. Sozusagen die Ehe-Kategorie.” Eine Aussage, die gleichzeitig Akzeptanz und Klarheit signalisiert — aber auch eine gewisse Erschöpfung über eine Frage, die sie sich offenbar oft genug stellen musste.
Vor diesem Hintergrund bekommt das ungeschminkte Reitfoto eine andere Dimension. Es ist eben nicht nur Natürlichkeit als ästhetische Entscheidung. Es ist die Geste einer Frau, die in der Öffentlichkeit lange vorrangig durch die Linse einer Beziehung gesehen wurde — und die konsequent darauf besteht, auch als eigenständiger Mensch wahrgenommen zu werden. Ungeschminkt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
Der Bruch mit dem TV-Look als bewusster Schritt
Im Fernsehen war Lehfeldt für einen bestimmten Auftritt bekannt: elegante Kleidung, intensive Schminke, die schwarz umrandeten Augen als Wiedererkennungsmerkmal. Das ist kein Zufall — im Nachrichtenbetrieb funktioniert Make-up nicht nur ästhetisch, sondern als visuelles Signal für Autorität und Professionalität. Wer im Studio sitzt und über Haushaltskrisen berichtet, darf nicht aussehen, als hätte er gerade auf dem Sofa gesessen.
Abseits davon hat Lehfeldt stets einen anderen Weg gewählt. Auf Instagram — ihrem einzigen relevanten Social-Media-Kanal, auf dem sie rund 130.000 Follower hat — mischte sie schon vor dem viralen Reitfoto gelegentlich private, unglamouröse Einblicke unter die professionellen Beiträge. Das war keine Strategie im Sinne eines durchgeplanten Personal Brandings. Es war eher das, was entsteht, wenn jemand Social Media tatsächlich als persönliches Medium und nicht als Verlängerung der Unternehmenskommunikation benutzt.
Im Oktober 2023 folgte dann der nächste konsequente Schritt: Lehfeldt verließ WELT TV auf eigenen Wunsch und gründete eine eigene Agentur für Kommunikation und Marketing. Auf Instagram beschrieb sie die Entscheidung mit den Worten: „Wenn du jetzt nicht springst, springst du nie.” Zum Startprojekt ihrer Agentur gehörte unter anderem die Reiterin Isabell Werth, die 1996 in Atlanta Olympia-Gold gewann — ein Name, der im Reitsport das ist, was Beckenbauer im Fußball war.
Was der Augenringe-Kommentar wirklich bedeutet
Zurück zu jenem Kommentar auf Instagram, der Lehfeldt zu ihrer „filler- und filterfrei”-Aussage veranlasste. Auf der Oberfläche ist das eine klassische Geschichte: Prominente Frau zeigt sich natürlich, bekommt körperbezogene Kritik, schlägt zurück. Dieses Skript kennt man.
Aber die Schlagfertigkeit der Antwort ist kein Reflex. Sie passt zu einer Frau, die seit Jahren trainiert hat, öffentliche Bewertungen nicht an sich heranzulassen — weil sie gelernt hat, dass ein erheblicher Teil dieser Bewertungen nicht ihrer Person, sondern ihrer Rolle gilt. Als „Frau von”, als Frau mit TV-Gesicht, als Frau in einem politischen Haushalt. Wer so lange als Symbol für etwas anderes gesehen wurde, entwickelt ein anderes Verhältnis zu Kommentaren über die eigene Oberfläche.
Im April 2025 wurde Franca Lehfeldt Mutter einer Tochter. Auch das blieb medial zunächst ruhig — keine Hochglanzfotos aus der Klinik, kein begleitendes Interview. Das Muster hält sich durch.
Natürlichkeit als Karrierestrategie — oder als Persönlichkeit?
Es wäre zynisch, Lehfeldts ungeschminkte Auftritte ausschließlich als strategisch zu lesen. Wer ihre Aussagen über das Reiten verfolgt — sie beschreibt es als Erdung, als Gegengewicht zu beruflichem Ehrgeiz, als den Ort, an dem sie „bei sich selbst” ist — erkennt, dass der Stall kein Instagram-Set ist, sondern ein echter Rückzugsraum.
Gleichzeitig wäre es naiv, die öffentliche Wirkung dieser Momente zu ignorieren. In einer Zeit, in der Body Positivity und Authentizität zu Marketingkategorien geworden sind, ist das Ungeschminkt-Sein von Prominenten kaum noch politisch neutral. Lehfeldt navigiert dieses Terrain geschickter als viele: Sie zieht keine Kampagnen daraus, erklärt sich nicht als Vorbild und instrumentalisiert ihre eigenen Falten nicht als Botschaft. Sie lässt die Bilder einfach existieren.
Das ist, wenn man so will, die souveränste Form von ungeschminkt: nicht als Bekenntnis, sondern als Normalfall.
FAQ
Wann zeigte sich Franca Lehfeldt zum ersten Mal öffentlich ungeschminkt? Das bekannteste Beispiel ist ein Instagram-Post vom Sommer 2023, der sie beim Reiten auf ihrem Pferd Fritzi zeigt — ohne Make-up, in Freizeitkleidung, nach einer Verletzungspause. Das Bild löste breite Medienaufmerksamkeit aus und wurde von Fans überwiegend positiv aufgenommen.
Wie reagierte Franca Lehfeldt auf Kritik an ihrem Aussehen? Als ein Nutzer negative Kommentare über ihre Augenringe hinterließ, antwortete sie öffentlich, dass sie diese als Kompliment sehe — als Beweis für einen „filler- und filterfreien” Auftritt. Sie thematisierte damit direkt den gesellschaftlichen Druck auf Frauen in der Öffentlichkeit, sich kosmetisch zu optimieren.
Warum wird Franca Lehfeldt so häufig auf ihr Aussehen reduziert? Weil sie durch ihre Heirat mit Christian Lindner stark in der Rolle der „Politikergattin” wahrgenommen wird — obwohl sie eine eigenständige Karriere als Journalistin, Moderatorin und Unternehmerin vorweisen kann. Sie selbst hat dieses Spannungsfeld mehrfach in Interviews angesprochen und als unvermeidlichen „part of the deal” bezeichnet.
Was macht Franca Lehfeldt heute beruflich? Seit Oktober 2023 ist sie nicht mehr bei WELT TV tätig. Sie führt eine eigene Agentur für Kommunikation und Marketing, ist als Autorin aktiv und tritt als Speakerin auf. Ihr prominentestes Agentur-Mandat war die Dressurreiterin Isabell Werth, Olympiasiegerin von 1996.
Hat Franca Lehfeldt Kinder? Ja. Im April 2025 wurde sie Mutter einer Tochter. Wie bei anderen privaten Themen hielt sie die Berichterstattung dazu bewusst zurück.
Fazit
Franca Lehfeldt ungeschminkt ist kein virales Phänomen und kein Schönheitstrend. Es ist der konsequente Ausdruck einer Haltung, die sich durch ihre gesamte öffentliche Präsenz zieht: eigenständig statt definiert durch andere, authentisch statt inszeniert. Wer in ihr nur die Politikergattin oder den Instagram-Moment sieht, verpasst das, was wirklich daran lesbar ist — nämlich eine Frau, die gelernt hat, auf beiden Ebenen ungeschminkt zu sein.
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