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Inga Grömminger: Vom Berliner Boulevard zum ESG-Manager

Inga Grömminger: Vom Berliner Boulevard zum ESG-Manager

Sie war einmal die schärfste Gesellschaftskolumnistin Berlins — und arbeitet heute daran, einen der mächtigsten Medienhäuser Europas nachhaltiger zu machen. Inga Grömminger ist eine der wenigen Journalistinnen, deren Lebensweg so viel über ihre eigene Person erzählt wie über die Branche, in der sie sich bewegt hat.

Die Frau hinter dem Klatsch — und was das bedeutet

Wenn man über Inga Grömminger schreiben will, kommt man um einen Begriff nicht herum, den sie selbst wohl nicht mehr als schmeichelhaft empfinden dürfte: Klatschreporterin. Walter Mayer, damals Chefredakteur der B.Z., bezeichnete sie in einem Artikel für die Zeit als die „beste Klatschreporterin” Berlins. Das war ein Kompliment — und es war eines jener Komplimente, die man irgendwann hinter sich lassen muss, wenn man weiter will.

Grömminger hat genau das getan. Aber der Weg dorthin ist alles andere als geradlinig, und gerade darin liegt sein Wert als journalistisches Dokument.

Ihre Karriere begann Ende der 1990er Jahre bei der Bild-Zeitung, wo sie als Gesellschaftskolumnistin arbeitete. Das war kein einfaches Pflaster. Bild ist Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung und gleichzeitig eines der umstrittensten Medienprodukte des Landes — ein Ort, der journalistisches Handwerk unter extremem Tempo und öffentlichem Druck schleift. Wer dort bestehen will, lernt schnell, wie man Geschichten auf den Punkt bringt, wie man Aufmerksamkeit erzeugt und wie man eine Leserschaft hält, die keine Zeit für Umwege hat.

Die B.Z. und die Geburt der Kolumne „Inga & Out”

Von Bild wechselte Grömminger zur B.Z., Springers Berliner Boulevardblatt und gleichzeitig die älteste noch erscheinende Tageszeitung der deutschen Hauptstadt. Dort wurde sie zur prägenden Figur. Ab 2004 leitete sie das Unterhaltungs- und TV-Ressort, und was sie in dieser Zeit formte, war mehr als ein Karriereschritt: Es war eine redaktionelle Handschrift.

Ihre tägliche Kolumne „Inga & Out” wurde zu einem kleinen Berliner Phänomen. Der Titel war Programm — Grömminger kommentierte, wer gerade angesagt war, wer abgeschrieben, was die Stadt bewegte und was sie langweilte. Das klingt leicht, ist es aber nicht. Eine tägliche Kolumne zu schreiben, die lesbar, frisch und meinungsstark bleibt, ohne sich zu wiederholen, erfordert eine Disziplin, die viele unterschätzen. Die Gesellschaftskolumne ist eine der anspruchsvollsten journalistischen Formen überhaupt — sie verlangt echte Beobachtungsgabe, stilistisches Gespür und die Fähigkeit, das Flüchtige mit dem Dauerhaften zu verbinden.

Dass der damalige Chefredakteur ihren Abgang 2008 als „herben Verlust” bezeichnete, war nicht übertrieben.

Vanity Fair — und das Ende einer Ära im deutschen Magazinjournalismus

Grömminger verließ die B.Z. für Vanity Fair, das Condé-Nast-Magazin, das 2007 mit großen Ambitionen auf dem deutschen Markt gestartet war. Sie übernahm die Leitung des „Leute”-Ressorts — das Herzstück eines Gesellschaftsmagazins, das mit glänzenden Seiten und prominenten Gesichtern eine Leserschaft ansprechen wollte, die gleichzeitig unterhalten und informiert sein wollte.

Vanity Fair Deutschland wurde 2010 eingestellt — zu früh für den Markt, zu spät für das Geschäftsmodell. Das Magazin scheiterte nicht an schlechter Redaktionsarbeit, sondern an einer Zeitenwende: Der Anzeigenmarkt brach ein, die Leser wanderten ins Netz, und ein hochglanziges Wochenmagazin brauchte Einnahmen, die der Markt schlicht nicht mehr hergeben wollte. Für Grömminger war das Ende von Vanity Fair kein persönliches Scheitern, aber es war ein Signal — eines von vielen, das die Branche gerade auszusenden begann.

Rückkehr zur B.Z. und die Chefredaktions-Jahre

Nach einem kurzen Intermezzo bei Bild kehrte Grömminger 2010 zur B.Z. zurück — diesmal als Mitglied der Chefredaktion. Chefredakteur war nun Peter Huth, der frühere Vize ihres einstigen Förderers Walter Mayer. Sie war für die redaktionelle Gestaltung der B.Z. am Sonntag verantwortlich, außerdem für Serien und besondere Projekte.

Diese Phase dauerte bis 2024 — vierzehn Jahre, in denen sie den Wandel eines Berliner Boulevardblattes im Digitalzeitalter mitgestaltete. Das ist kein kleines Kunststück. Der Boulevard-Journalismus steht seit Jahren unter Druck: sinkende Auflagen, veränderte Lesegewohnheiten, eine junge Generation, die ihre Gesellschaftsnachrichten lieber über Instagram als über eine Zeitung bezieht. Dass die B.Z. in dieser Zeit ihre Identität als Berliner Stadtzeitung nicht verloren hat, ist auch das Verdienst jener, die ihre redaktionelle Arbeit als Handwerk ernst genommen haben.

Parallel zu dieser beruflichen Phase wurde Grömminger auch im Privaten zur öffentlichen Figur — als Partnerin und spätere Ehefrau des Schriftstellers und Journalisten Benjamin von Stuckrad-Barre. Die beiden heirateten 2012, bekamen ein Kind und trennten sich später. Stuckrad-Barre ist eine der schillerndsten Figuren der deutschen Gegenwartsliteratur — bekannt durch seinen Debütroman Soloalbum (1998) und das autobiografische Buch Panikherz (2016), in dem er offen über Drogensucht und Absturz schreibt. Grömminger selbst hat über ihre Ehe und Trennung kaum öffentlich gesprochen — eine Haltung, die in einer Branche, die von Bekenntnisliteratur lebt, bemerkenswert zurückhaltend ist.

Der Schwenk zum ESG-Journalismus — Was er über die Branche sagt

2024 übernahm Inga Grömminger bei Axel Springer eine neue Rolle: Senior Managerin für ESG Content & Community. ESG steht für Environmental, Social, Governance — also für die drei Dimensionen, an denen Unternehmen heute zunehmend gemessen werden: ökologische Verantwortung, soziales Engagement und transparente Unternehmensführung.

Das ist ein radikaler Themenwechsel von „Inga & Out”. Und genau deshalb ist er so aufschlussreich.

Zu den Projekten, die Grömminger in dieser Rolle initiiert hat, gehört das Format „Starke Stimmen” — ein internes Vernetzungsprogramm bei Axel Springer, das Frauen aus verschiedenen Abteilungen zusammenbringt, um Kreativität und Kooperation zu fördern. Wer jahrzehntelang in einer Redaktionskultur gearbeitet hat, die von Wettbewerb, Tempo und individueller Schlagkraft geprägt ist, bringt in solche Aufgaben eine andere Perspektive als jemand, der aus dem Corporate-Bereich kommt.

Was dieser Schritt über den deutschen Medienbetrieb sagt, ist vielschichtig. Der klassische Redaktionsjournalismus verliert Stellen — nicht weil Medienunternehmen kleiner werden, sondern weil sie sich transformieren. Die Nachfrage nach journalistisch geschulten Kommunikatorinnen, die komplexe gesellschaftliche Themen verständlich und glaubwürdig aufbereiten können, wächst. ESG ist kein Nischenthema mehr: Große Konzerne werden in der EU mittlerweile zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet, und wer dabei auf Substanz verzichtet, fliegt durch jede ernsthafte Prüfung. Redaktionelle Kompetenz wird dabei zum Wettbewerbsvorteil.

Grömminger hat diese Verschiebung früher erkannt als viele ihrer Kollegen.

Was bleibt — eine Karriere als Spiegel einer Branche

Es wäre zu einfach, Inga Grömmingers Berufsweg als Geschichte einer persönlichen Entwicklung zu lesen. Er ist auch eine Momentaufnahme dessen, wie sich der deutsche Journalismus in den letzten drei Jahrzehnten verändert hat: von der gedruckten Gesellschaftskolumne über das Hochglanzmagazin, das scheiterte, zurück zum Boulevard, der kämpfte — und schließlich hinein in die Welt der Unternehmenskommunikation, die von Journalistinnen geprägt wird, die ihrem Handwerk treu geblieben sind.

Der Unterschied zwischen 1999, als Grömminger bei Bild anfing, und 2024, als sie bei Axel Springer die ESG-Rolle übernahm, beträgt genau eine Generation. In dieser Generation hat sich der Medienmarkt mehrfach neu erfunden — und wer dabei nicht bereit war, sich selbst ebenfalls neu zu erfinden, ist auf der Strecke geblieben.

FAQ — Inga Grömminger

Wer ist Inga Grömminger? Inga Grömminger ist eine deutsche Journalistin und Medienmanagerin. Sie begann ihre Karriere Ende der 1990er Jahre bei der Bild-Zeitung als Gesellschaftskolumnistin, wurde später bekannt durch ihre tägliche Kolumne „Inga & Out” bei der Berliner Boulevardzeitung B.Z. und arbeitete als Ressortleiterin bei Vanity Fair Deutschland. Seit 2024 ist sie Senior Managerin für ESG Content & Community bei Axel Springer.

Was hat Inga Grömminger bei der B.Z. gemacht? Sie war zwischen 2004 und 2008 Leiterin des Unterhaltungs- und TV-Ressorts und schrieb die tägliche Kolumne „Inga & Out”. Nach einer Zwischenstation bei Vanity Fair und Bild kehrte sie 2010 zur B.Z. zurück und gehörte bis 2024 der Chefredaktion an. Dort verantwortete sie unter anderem die redaktionelle Gestaltung der B.Z. am Sonntag.

Mit wem war Inga Grömminger verheiratet? Sie war mit dem Schriftsteller und Journalisten Benjamin von Stuckrad-Barre verheiratet. Die beiden heirateten 2012, bekamen gemeinsam ein Kind und trennten sich später. Stuckrad-Barre ist bekannt durch seinen Debütroman Soloalbum (1998) und das autobiografische Werk Panikherz (2016).

Warum wechselte Inga Grömminger von der Redaktion ins ESG-Management? Einen öffentlich kommunizierten Grund für den Wechsel gibt es nicht. Der Schritt steht im Kontext einer breiteren Entwicklung im Medienbetrieb: Klassische Redaktionsstellen werden seltener, während die Nachfrage nach journalistisch ausgebildeten Kommunikationsfachleuten in Unternehmen wächst. ESG-Berichterstattung und -Kommunikation erfordert genau jene Fähigkeiten, die jahrzehntelange Redaktionsarbeit schult — Komplexität verständlich machen, Glaubwürdigkeit aufbauen, Geschichten erzählen.

Was ist das Projekt „Starke Stimmen” bei Axel Springer? „Starke Stimmen” ist ein von Grömminger initiiertes internes Vernetzungsformat bei Axel Springer, das Frauen aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenbringt, um Kreativität und bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Es ist Teil ihrer Arbeit im Bereich ESG Content & Community.

Fazit

Inga Grömmingers Karriere ist weder eine Erfolgsgeschichte im klassischen Sinn noch eine Geschichte des Scheiterns. Sie ist etwas Selteneres: ein dokumentierter Lernprozess durch drei Jahrzehnte medialen Wandels. Wer verstehen will, wie sich der deutsche Journalismus verändert hat — von der gedruckten Kolumne bis zur Nachhaltigkeitskommunikation — findet in ihrem Weg einen kompakten, gut lesbaren Kompass.

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Lukas Braun

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