Sie hatte Krebs überlebt, zweimal. Sie hatte bis ins achte Lebensjahrzehnt Theater gespielt, synchronisiert, gekämpft. Und dann nahm ihr eine Krankheit das Einzige, das sie nie verloren hatte: ihre Stimme, ihre Erinnerung, sich selbst. Die Geschichte von Anita Kupsch Krankheit ist keine Geschichte des Scheiterns — sie ist die Geschichte einer Frau, die ihr Leben lang aufstand, bis sie nicht mehr konnte.
Drei Diagnosen, ein Leben
Wer über Anita Kupschs Gesundheit schreibt, stolpert schnell über eine Zahl, die in den meisten Nachrufen untergeht: Es war nicht eine schwere Erkrankung, die ihr Leben überschattete — es waren drei. Schon in jungen Jahren wurde bei ihr Unterleibskrebs diagnostiziert, eine Erkrankung, die damals wie heute für viele Frauen das Ende einer Karriere bedeutet hätte. Kupsch überstand sie. Sie spielte weiter Theater, stand weiterhin vor der Kamera, sprach weiterhin Stimmen für Hollywood-Stars.
Dann, im Oktober 2011, der zweite Schlag. Im Alter von 71 Jahren — kurz vor einem langen Gastspiel an der Frankfurter Komödie — ließ sie sich zu einem Routinecheck-up überreden. Beim Ultraschall wurden Knötchen in der rechten Brust entdeckt. Die Biopsie bestätigte: Brustkrebs. Die Operation folgte zwei Wochen später, verlief reibungslos, und Kupsch stand drei Tage danach bereits wieder auf der Bühne. Nicht weil sie musste. Weil sie es wollte.
Knapp neun Jahre später, 2020, kam die dritte und schwerste Diagnose: Alzheimer. Ihr Ehemann Klaus-Detlef Krahn erfuhr es vom Neurologen, während Kupsch, wie er später erzählte, die Diagnose mit einer Fassung aufnahm, die ihn selbst erschütterte. Sie habe sich tapfer gegen ihr Schicksal gestemmt — ihn aber habe die Nachricht erst einmal umgeworfen.
Die Stimme, die verstummte
Es gibt eine besondere Grausamkeit in Anita Kupschs Krankheitsgeschichte, die selten benannt wird. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin war sie eine der gefragtesten Synchronsprecherinnen des deutschen Films. Jahrzehntelang lieh sie ihre Stimme Goldie Hawn, Liza Minnelli, Kim Cattrall und Amanda Barrie — Frauen, die auf Englisch sprachen und auf Deutsch durch Kupsch klangen. Ihre Stimme war ihr Werkzeug, ihr Erkennungszeichen, ihr zweites Gesicht.
Alzheimer nimmt zuerst die Worte. Dann die Erinnerungen. Zuletzt, im schlimmsten Stadium, sogar das Schlucken. Krahn schilderte später, dass er ihr alte Filme und Serien gezeigt habe — vom Tatort bis zu Praxis Bülowbogen —, in der Hoffnung, dass ein vertrautes Bild eine Brücke baut. Doch irgendwann erkannte Anita Kupsch sich selbst nicht mehr auf dem Bildschirm. Die Frau, deren Stimme Millionen Menschen kannte, hatte aufgehört, ihre eigene zu erkennen.
Gabi Köhler und der späte Durchbruch
Wer Anita Kupsch war, bevor die Krankheit ihr Leben veränderte, lässt sich am besten durch ihren Weg zur Praxis Bülowbogen verstehen. Geboren am 18. Mai 1940 in Berlin, aufgewachsen als Tochter eines Kaufmanns, ausgebildet zur Kosmetikerin — und dann doch Schauspielerin, durch die UFA-Nachwuchsschule von Else Bongers. Sie spielte am Hebbel-Theater, am Renaissance-Theater, an der Komödie am Ku’damm, lernte Ballett bei Tatjana Gsovsky. Jahrzehnte lang Bühne, bevor das Fernsehen anklopfte.
Der Durchbruch kam spät und groß: Ab 1987 spielte Kupsch die Arzthelferin Gabi Köhler in der ARD-Vorabendserie Praxis Bülowbogen, neun Jahre lang an der Seite von Günter Pfitzmann. Die Serie lief in 107 Folgen, sechs Staffeln, und machte Kupsch zum Gesicht des westberliner Alltags — direkt, schlagfertig, warmherzig. Als man sie fragte, wie viel von Gabi Köhler in ihr stecke, antwortete sie mit der Trockenheit, die ihr Markenzeichen war: “Eigentlich gar keine. Außer dass sie eine Klappe hat.”
Diese Klappe war echt. Sie war auch die, die Alzheimer ihr zuletzt nahm.
Die letzten Jahre: Pflege, Liebe, Abschied
2017 stand Anita Kupsch zum letzten Mal auf der Bühne — im Stück “Golden Girls” am Theater am Dom in Köln. Kurz darauf zog sie sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Drei Jahre später kam die Alzheimer-Diagnose. Was folgte, war eine der stillsten und zugleich bewegendsten Phasen ihres Lebens — getragen fast ausschließlich von ihrem Ehemann.
Klaus-Detlef Krahn und Anita Kupsch waren 46 Jahre lang ein Paar, 38 davon verheiratet. Er, pensionierter Innenausstatter, pflegte sie zu Hause, bis es nicht mehr möglich war. Sein eigener Bericht darüber ist das direkteste Zeugnis dieser Zeit: Er habe sich so machtlos gefühlt. Das Schlimmste sei gewesen, dabei zuzusehen, wie sie langsam zerfällt. Irgendwann kamen die nächtlichen Notarzteinsätze, die Stürze, die Momente, in denen sie drohte zu ersticken. Schließlich gestand er sich ein, dass professionelle Pflege notwendig war. Sie zog in eine Pflegeeinrichtung in Berlin.
Am 3. Juli 2025 schlief Anita Kupsch um 9 Uhr morgens friedlich ein, im Beisein ihres Mannes. Sie wurde 85 Jahre alt. Krahn sagte der Deutschen Presse-Agentur danach einen Satz, der alles über die letzten Jahre aussagt, ohne sie zu erklären: “Ich bin zufrieden, sie ist endlich erlöst.”
Eine stille Beisetzung unter einer alten Kiefer
Den Abschied gestaltete die Familie so, wie Kupsch selbst es gewollt hatte: ohne Öffentlichkeit, ohne Kameras, ohne Pfarrer. Rund einen Monat nach ihrem Tod, am 4. August 2025, wurde sie auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf nahe Potsdam beigesetzt — im Schatten einer über hundert Jahre alten Kiefer. Den Platz hatten Kupsch und Krahn gemeinsam ausgesucht, vor vielen Jahren bei einem Spaziergang. Als die Sonne an dem Tag einen Strahl auf die Baumwurzel warf, war die Entscheidung gefallen. Krahn sicherte sich die Stelle daneben.
Bei der Trauerfeier in der Holzkirche des Friedhofs erklangen Lieder von Barbra Streisand und Bette Midler — zwei Künstlerinnen, die Kupsch besonders liebte. Für ihren Witwer, der sich mit dem Schmerz des Alleinseins auseinandersetzen musste, war es ein Moment der Auflösung: “Ich bin vollkommen zerflossen.”
Was ihr Kampf bedeutet
Anita Kupschs Geschichte wird in Deutschland vor allem durch das Prisma von Praxis Bülowbogen erzählt. Das ist verständlich — 107 Folgen, Millionen Zuschauer, eine Figur, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Aber die eigentliche Lebensleistung liegt woanders: in der Tatsache, dass sie trotz dreier ernsthafter Erkrankungen bis ins achte Lebensjahrzehnt aktiv auf der Bühne stand. Dass sie nach der Brustkrebs-Operation mit 71 Jahren drei Tage später spielte. Dass sie 2017, mit 77 Jahren, noch Theaterrollen übernahm.
Alzheimer ließ sich nicht so bezwingen wie die Krebsdiagnosen davor. Diese Krankheit greift nicht den Körper an, sondern die Person — die Erinnerung, die Sprache, das Selbst. Für eine Frau, die ihr Leben lang durch Stimme und Verkörperung kommuniziert hatte, war das die härteste Herausforderung. Und sie trägt sie, wie Krahn beschreibt, mit Tapferkeit — bis zur Erschöpfung.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Anita Kupsch und ihrer Krankheit
Woran litt Anita Kupsch in ihren letzten Jahren? Anita Kupsch litt in ihren letzten Lebensjahren an Alzheimer-Demenz, die 2020 diagnostiziert wurde. Die Erkrankung schritt fortschreitend voran und machte zuletzt eine Unterbringung in einer Berliner Pflegeeinrichtung notwendig, wo sie am 3. Juli 2025 verstarb.
Hatte Anita Kupsch auch Krebs? Ja, gleich zweimal. In jüngeren Jahren wurde Unterleibskrebs diagnostiziert, den sie überstand. Im Oktober 2011 folgte die Diagnose Brustkrebs, bei der zwei Knötchen aus der rechten Brust operativ entfernt wurden. Beide Male kehrte sie nach kurzer Zeit ins Berufsleben zurück.
Wann und wo starb Anita Kupsch? Sie starb am 3. Juli 2025 um 9 Uhr morgens in einer Berliner Pflegeeinrichtung im Beisein ihres Ehemannes Klaus-Detlef Krahn. Sie wurde 85 Jahre alt.
Wer pflegte Anita Kupsch während ihrer Alzheimer-Erkrankung? Ihr Ehemann Klaus-Detlef Krahn pflegte sie zunächst zu Hause, bis die Erkrankung so weit fortgeschritten war, dass professionelle Pflege notwendig wurde. Die beiden waren 46 Jahre lang ein Paar und 38 Jahre verheiratet.
Wie wurde Anita Kupsch bestattet? Am 4. August 2025 wurde sie auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf nahe Potsdam beigesetzt — unter einer über hundert Jahre alten Kiefer, die das Paar gemeinsam ausgesucht hatte. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt, ohne öffentliche Trauerfeier.
Fazit
Anita Kupschs Krankheitsgeschichte ist vielschichtiger, als die meisten Berichte zeigen: dreimal ernsthaft erkrankt, dreimal weitergekämpft — bis Alzheimer ihr das Letzte nahm, was nicht zu ersetzen war. Was bleibt, ist nicht das Bild einer Frau, die ihrer Krankheit erlag, sondern das einer Frau, die ihr so lange widerstand wie möglich. Und ein Ehemann, der das alles mit ihr trug.
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